Tutzinger Seefest…

…in den Tutzinger Nachrichten Heft 07 / Juli 2009.

Fundstück der Woche – meinerseits – dieser wirklich schöne Artikel zum Seefest, den ich mir erlaube aus den Tutzingr Nachrichten hierher zu übernehmen, denn er ist fast schon eine kleine Entschädigung dafür, dass  heuer der Regen das Seefest verhindert hat. Aber für nächstes Jahr, motiviert er uns besonders und: Da wird’s bestimmt doppelt so schee!

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Mit fremden Augen: Sommer-Erlebnis Tutzing

Wie sehen Urlauber, Besucher und Gäste Tutzing? Gewiss nicht selten mit anderen, frischeren Augen als wir, die immer hier leben. Der Autor des nachfolgenden stimmungsvollen Beitrags, der Tutzing mit Urlaubsbesuchen seit 40 Jahren die Treue hält, erzählt von einem Sommertag, der ihm zum Festerlebnis wurde – einem von vielen.

Ein Sommertag, Samstag. Morgens noch etwas frisch, dann immer wärmer. Der See glitzert und schimmert, wie es nur ein oberbayrischer See kann. Wir kommen mit dem Fahrrad, pardon, dem Radl, von Süden, von Seeshaupt, erradeln uns die Strecke nach Tutzing. Eine Gegend zum neidisch werden. Es wird ein schöner Tag, von dessen Krönung wir allerdings noch nichts wissen.

Abends wollen wir – Touristen, die wir sind – natürlich in einen Biergarten. Sei kein Problem, so die Verwandtschaft, die wir besuchen. Da wäre heute zwar auch das Seefest, aber da seien eher die Einheimischen. Oha! Es reizt den Touristen ja kaum etwas mehr, als das zu tun, was die Einheimischen tun. Also auf zum Seefest!

Ein Fest, das der Leser dieser Zeilen sicher kennt, nicht aber der Tourist aus dem Norden mit seiner eigenen Sichtweise. So sieht er eine Wiese, saftig grün, leicht zum Seeufer hin abfallend. Tische und Bänke unter einigen, alten, großen Bäumen. Eine Holzbühne am Ufer, bunte Lämpchen. Und dahinter: der See. Und Segelboote. Und die Berge. Dann hört er Musik, bayrische natürlich, und sieht Gruppen von überaus ernsthaften Kindern in aufwändigen Trachten auf die Bühne marschieren.

Dort auf den Holzbrettern, im Gegenlicht des abendlichen Sees, führen sie heimatliche Tänze auf. choreografi sch durchaus anspruchsvoll. Und schön anzuschauen. Die Musik, die Tanzenden, die überwältigende Kulisse – der Tourist ist hin und weg, und das, bevor er noch sein erstes Bier vor sich stehen hat. Ein Problem. Er ist kein Kenner des bayrischen Biers, aber er trinkt es gerne.

Dass mit dem Bier und der einbrechenden Dunkelheit alles noch viel zauberhafter wirkt, kann sich sicher jeder denken. Ein wunderbarer Abend, ein wunderbares Fest – für Augen und Seele. Was wirklich berührt, ist gar nicht so sehr die Kulisse, die jede Postkarte übertrifft. Nicht die Musik, nicht die Tanzgruppen. Es ist die Stimmung der Menschen hier, das Gefühl, dass fast jeder entspannt und gerne auf dieser Wiese am See ist.

Es ist die überraschende Tatsache, dass hier und heute ein Fest tatsächlich noch auf traditionelle Weise gefeiert wird. Authentisch, um ein Modewort zu benutzen, wo es einmal wirklich passt. Dabei sieht man – außer bei den Mitwirkenden – kaum Trachten und es wird keineswegs nur bayrisch gesprochen.

Die „Einheimischen“ sind auch gewiss nicht alle in einer Fischerhütte oder auf der Alm geboren. Aber es ist ein Ereignis, das fest in der Tradition wurzelt. Fast mit Neid spürt der Tourist: Auf dieser Wiese an diesem Abend fi ndet Heimat statt.

Obwohl es genau das ist, würde man dies hier niemals Social Event nennen. Auch der Kommerz hat keinen Platz, man isst und trinkt, was die vielen freiwilligen Helfer mit ihren ehrenamtlichen Kassen anbieten. Und man redet miteinander, weil jeder wenigstens ein paar andere hier kennt. Selbst der Tourist, er kann immerhin den Wirt seines Hotels begrüßen – und fühlt sich willkommen.

Jochen Krämer, Bad Vilbel Foto: DTY

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