Schützen

Vorderladerschützen der Tutzinger Gilde

Fischerhochzeit 2002 006.jpgDas erste Auftreten der Vorderladerschützen der Tutzinger Gilde fand bei der Fronleichsnams-Prozession am 17. Juni 1976 statt. Ganze sechs Mann hatten die Schwarzpulverprüfung abgelegt und traten unter dem Kommandanten Otto Kain an.

Die Tradition, die hier wiederbelebt wurde, bezieht sich zum einen auf die Prangerschützen oder auch Antlassschützen, die während und nach dem 30-jährigen Krieg die Fronleichnamsprozession begleiteten, um Überfälle zu verhindern. Zum anderen gab es auch in Tutzing und Unterzeismering, wie auch sonst im bayerischen Land, die Landesdefensoren, also eine Art Bürgerwehr.

Noch bis in die Zeit vor dem ersten Weltkrieg wurde in Tutzing beim Segen an den 4 Altären der Fronleichnamsprozession Salut geschossen, allerdings mit einer Kanone. Es gibt einen alten Brief des Bernrieder Pfarrers – denn Tutzing war keine eigene Pfarrei sondern wurde von Bernried aus betreut – der sich darin beschwerte, dass die Schützen soviel Pulver verbrauchten. Denn das musste er bezahlen.

Fischerhochzeit 2002 007.jpgAuch in den Aufzeichnungen der Freifrau von Vieregg auf Schloss Tutzing um 1740 findet sich der Vermerk, dass die Schützen an Neujahr im Schloss waren, um das Neue Jahr „anzuschießen“ und dass es dafür ein Trinkgeld gab. Es war für die Vorderladerschützen ein großes Glück, dass der damalige Pfarrer Hans Marquart ein großer Freund dieser alten Traditionen war und diesen Brauch bei der Prozession und das Christkindlschiessen nach der Mette förderte. Für ihn war das, unabhängig vom Zeitgeist, gelebte Tradition.

Natürlich hatten die Vorderladerschützen auch ihre Anlaufschwierigkeiten. So war (und ist) es immer ein Problem, bei den Prozessionen an den Altären, im richtigen Augenblick, nämlich beim Segen, zu schießen. Da die Schützen immer etwas abseits des Altars stehen müssen, es aber auch den Blickkontakt zum Pfarrer braucht, konnte (und kann) es schon passieren, dass der Salutschuss nicht genau zum erwarteten Zeitpunkt fällt, was dann durchaus zu Irritationen führen kann.

Fischerhochzeit 2002 008.jpgDie heutigen Schützen kämpfen zeitgemäß vor allem mit der Bürokratie: Vor dem ersten Schuss steht eine ganztägige Sachkundeprüfung an, anschließend bekommt man eine Sprengstofferlaubnis und danach eine Schießerlaubnis. Alles natürlich gegen eine entsprechende Gebühr. Aber auch alte, überlieferte Traditionen stoßen leider bei immer mehr Mitbürgern auf Unverständnis. So liegt es eben in der Natur der Sache, dass Salutschießen auch mit Geräuschen verbunden ist, die mancher nicht mehr hören kann oder nicht mehr hören will.

Auf den damaligen Schützenmeister Otto Kain folgte über viele Jahre Dr. Hans Roeckl, er übergab Anfang 2001 das Kommando an den jetzigen Schützenmeister Jürgen Wunsch.

Inzwischen sind aus den 6 Schützen 24 geworden und die Einsätze haben sich vermehrt: Hochzeiten, Jubiläen, Geburtstage verdienter Mitglieder der Gilde und des öffentlichen Lebens, kirchliche Veranstaltungen, Sportveranstaltungen wie z.B. den Tutzinger Triathlon und besonders bei den alle 5 Jahre stattfindenden Fischerhochzeit.

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