Fischerhochzeit

Programm der Fischerhochzeit 2011

Fischerei – eine alte Tradition in Tutzing

Tutzing, heute der schöne Villenort, war bis in die 60er Jahre des 19.Jahrhunderts ein einfaches Fischerdorf.

Die Geschichte der Fischerei ist fast so alt, wie der See selbst – fast 30 000 Jahre. Funde archäologischer Ausgrabungen, darunter ein bronzener Angelhaken und ein Einbaum, belegen die frühe Nutzung des Starnberger Sees für den Fischfang.

Zwar klafft ein breites schwarzes Loch in der Geschichte, aus der uns keine Relikte mehr überliefert sind, doch liegt die Vermutung nahe, dass Fischerei eine wichtige Rolle bei der Besiedlung des Fünf-Seen-Raums spielte.

Anno 753 bereits urkundlich erwähnt, hält sich die Fischerei durch mehrere Jahrhunderte als die Haupterwerbsquelle des Ortes. Im Jahre 1322 verpflichtete sich Conrad der Tuzzinger, 300 Renken jährlich den Mönchen von Benediktbeuren als Fischtrost zu senden.

Später, zur Zeit der Fischerhochzeit, ca. 1812, gab es zusammen neun gemeine Fischer, deren Fänge der Fischkäufl abnahm und weiter in Stadt, aber auch bis nach Nord- und Südtirol verkaufte, sowie Schlossfischer, die die Tutzinger Herrschaft versorgte. Hinzu kamen nochmal sechs Hoffischer in Tutzing (und vier weitere in Unterzeismering) zuständig für den Münchner Königshof. Mehr als zwei Jahrhunderte tobte ein erbitterter und ständiger Konkurrenzkampf um die Fischerrechte.

Ursprung der Fischerhochzeit

Die Überlieferung berichtet, dass besonders der Hoffischer Gröber vom “Gröberhof” seinen Kopf durchzusetzen wusste und stets seine Rechte betonte. Er fand jedoch in dem Schloßherrn, dem Grafen Friedrich Josef von Vieregg, einen ebenso starrköpfigen wie rechthaberischen Gegner. Viele Gerüchte ranken sich sogar heute noch um diesem geizigen Mann, der den einfachen Leuten im Ort das Leben auf etwaige Weise schwer machte und bis zum heutigen Tage das Tutzinger Schloss heimsucht.

Graf ViereggSo verwundert es einen nicht, zu hören, dass der Zwist scheinbar unüberbrückbar, sich hochschaukelte und es- kalierte.

Denn während der Zeit des napoleanischen Feldzugs, kamen zu den ‘üblichen Schikanen’ des Grafen, der sogar des Halten von den, zu laut schnatternden, Gänsen verbot, zusätzlich noch höhere Abgaben und Steuern hinzu.

Kurzum die einfachen Bewohner Tutzings wurden ausgenommen, wie eine Weihnachtsgans und folglich wuchs die Unzufriedenheit und die Lage war angespannt.Gröber, der damals die Gemeinde führte, wurde immer ärgerlicher und aufsässiger, bis der Graf dafür sorgte, dass man seinen Sohn Michael, obwohl er als Hoffischer nicht einziehbar war, einzog und nach Russland schickte.

Da wurde der alte Gröber still. Eigentlich hätte Michael längst seinen Hof übernehmen sollen, aber die Veronika Bierbichler, Tochter des Fischmeister Kastulus Bierbichler von Ambach, gab nichts auf seine Werbungen.Als die traurigen Überreste des Heeres aus Russland (von ehemals 33.000 Mann waren nicht mal 4.000 übrig) zurückkehrten, war Michael Gröber nicht unter ihnen. Dafür aber kam die Nachricht, dass man ihn beim Rückzug erfroren aufgefunden hatte. Erst jetzt wurde Veronika Bierbichler bewusst, wie sehr sie ihn geliebt hatte und trauerte ernsthaft um den Toten.

Die Jahre vergehen, bis ein zerlumpter und schmutziger Landstreicher in den Ort kam. Niemand kennt oder eher gesagt erkennt den Mann, der auf den Gröberhof zuhält, nicht die Leute im Ort und nicht der alte Gröber. Allein der Hofhund läuft dem Fremden schwanzwedelnd entgegen und da fällt es allen wie Schuppen von den Augen. Der verlorene Sohn vom Gröber ist zurückgekehrt.

Auch Veronika eilt, nachdem sie von der Ankunft ihres vermeintlich totgeglaubten Michael hört, zu ihm und gesteht ihm ihre Gefühle. Die allgemeine Freude über die Rückkehr ist groß. Rasch wird die Hochzeit vorbereitet.Von überall her strömen Leute herbei um an diesem Wunder und unfassbarem Glück teilzuhaben und mehrere seiner Kriegskameraden sind zugegen.

Selbst die Herrschaft nimmt an dem Feste teil, und der alte Graf Vieregg versöhnt sich, gerührt durch das Schicksal des Michael, mit dem alten Gröber.

 

Der Festzug und das historische Festspiel 

Im Jahre 1929 feierte Tutzing seine erste “historische Tutzinger Fischerhochzeit”. Mit Begeisterung wiederholte man sie 1935. Eine dritte Aufführung wurde erst wieder 1953 möglich, anlässlich der 1200-Jahrfeier Tutzings. 1975 belebte die Gemeinde zusammen mit der Tutzinger Gilde und traditionsbewussten Familien das Fest neu. Seitdem wurde 1980,1985,1992,1997,2002 und 2006 abermals aufgeführt und gefeiert.

Die nächste Fischerhochzeit wird dann voraussichtlich 2011 stattfinden.

Idee und Text der Tutzinger Fischerhochzeit stammen vom Heimatpfleger Josefranz Drummer, der Anregungen dazu aus seinen Recherchen über die Geschichte Tutzings schöpfte. Die ersten drei Aufführungen konnte er noch selber leiten.

Tutzinger Wappen

Dieses historische Spiel soll uns an die Herkunft unseres Dorfes aus einer Fischersiedlung und Hofmark erinnern, die althergebrachten Traditionen und Bräuche wachhalten und die Tutzinger zu einem großen gemeinsamen Erlebnis zusammenführen.

So erinnert auch heute noch das eigene Ortswappen mit dem Fisch an die Ursprünge und Geschehnisse in unserer Vergangenheit.

(Auszüge: teils aus ‘Das Spiel von der Tutzinger Fischerhochzeit’ von Ullrich Drummer)
 
© Laura Fröhlich 2009

2 Antworten to “Fischerhochzeit”


  • Lieber Herr Stackelies,

    bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort.
    Vielleicht haben Sie es inzwischen schon aus der Tagespresse erfahren – die nächste Fischerhochzeit findet 2017 statt, am 1. und 2. Juli.

    Freundliche Grüße,
    Barbara Hübner, Schriftführerin

  • Meine Frage ist: Wann findet die nächste Fischerhochzeit statt? Für eine Antwort wäre ich sehr Dankbar

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